Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß – oder so ähnlich…

Täglich werden hunderte von Fotos in den Social Media Netzwerken gepostet und mit dem derzeitigen Wohlbefinden verlinkt. Der allmorgendliche Wahnsinn beginnt: Wie viele von uns checken morgens nach dem Aufwachen, mit dem Kaffee in der Hand oder der Zahnbürste im Mund gleich als Erstes was es Neues gibt? Was ist gestern Abend noch passiert? Was trägt XY heute im Büro? Wie läuft der Hausbau bei Herr und Frau Musterhaus?
Wir leben in einer Zeit, in der es offensichtlich völlig normal geworden zu sein scheint, dass man eine Community von Menschen, die man eigentlich – oder zumindest den Großteil davon – gar nicht kennt, an seinem Privatleben teilhaben lässt. Doch wie viel Privates ist eigentlich noch okay und wie viel Privates ist eigentlich zu privat?

Neulich habe ich meinem Herzblatt davon erzählt, dass ich eine tolle Idee für einen Blogbeitrag habe. Dies und Jenes wollte ich gerne schreiben. Doch er fand die Idee alles andere als toll. „Das ist zu privat.“ waren seine Worte. Ich war geschockt, wollte ich doch eigentlich gar nichts sooo Privates erzählen, sondern lediglich ein Thema aufgreifen, von dem ich dachte, dass es – außer uns derzeit – viele andere vermutlich auch gerade betrifft und durchmachen. Nagut, dachte ich. Muss ich das eben anders angehen…

Habt Ihr Euch schon einmal Gedanken darüber gemacht, was für Bilder Ihr bei Insta & Co. hochladet und was Ihr dazu eigentlich von Euch preisgeben wollt? Was erzählt Ihr von Euch und aus Eurem Leben und von Euren Erfahrungen auf Euren Blogs?
Zugegeben: Ich verfolge diese und jene Entwicklung gern und JA, ich schaue auch täglich nach was es Neues gibt bei Insta & Co. Basierend auf dem, was mir gefällt, mich interessiert und mich beschäftigt, schaffe ich mir doch erst mein eigenes Netzwerk.

Beispiel: Viele Schwangere bzw. #baldmamis verfolgen doch vermutlich mit großem Interesse die Profile anderer #baldmamis um in Erfahrung zu bringen, wie es ihnen so geht, tauschen vielleicht sogar auf diese Art und Weise Erfahrungen aus und holen sich Tipps und Anregungen. [Bitte aufschreien, wenn ich damit falsch liegen sollte!] Ist doch an sich eine super Sache, oder nicht? Doch habe ich in der Vergangenheit auch schon einige Male gelesen, dass die eine Mami die andere Mami kritisiert, weil auf dem geposteten Foto z.B. das Gesicht des Babys zu erkennen ist (das soll an dieser Stelle nur ein ganz banales Beispiel sein!). Ist das aber nicht eine Sache, die jeder für sich selbst entscheiden muss? Es ist – glaube ich – völlig selbsterklärend, dass man auch mit Kritik und Shirtstorm rechnen und umzugehen lernen muss, sobald ich etwas von mir und meinem Privatleben in der Öffentlichkeit preisgebe. So ist es im Real Life ja auch. Je mehr Privates ich preisgebe, desto angreifbarer mache ich mich in diesem Moment.

Ob man nun auf Insta, Twitter oder Facebook postet, spielt dabei glaube ich wohl eine ganz nebensächliche Rolle; wobei Insta wohl vermutlich – was das posten von Bildern bzw. Fotos angeht – ganz klar an der Spitze liegt. Es ist wie auf einem hartumkämpften Markt im wahren Leben: Es ist der Kampf um die Gunst der Follower und Likes. Hat man erst einmal einige Follower für sich gewonnen, freut man sich über deren Interesse und über die Likes die jener Post erhaltet hat. Und dann geht es erst so richtig los: Es ist doch quasi fast wie ein Zwang, dass man den Drang entwickelt, immer mehr zu posten um seine Follower nicht zu enttäuschen oder gar wieder zu verlieren. Vermutlich bleiben auch aus diesem Grund die meisten Profile bei Insta „öffentlich“ und rücken nicht durch ein „Privates Profil“ in den Hintergrund, denn dann würde man ja keine Follower mehr gewinnen…
Aber mal ehrlich: Woran liegt es eigentlich, dass wir heutzutage mehr den Drang danach verspüren, unsere neue Errungenschaft (sei es nun ein Lippenstift, eine Vase oder ein neues Kleid) einer Gruppe von Fremden zu zeigen, statt unseren „richtigen“ Freunden zu präsentieren?

Ähnlich, doch – für mein Empfinden – in den meisten Punkten doch anders, verhält es sich mit dem Bloggen. Mit einem Blog spricht man eine weniger große Gruppe von Menschen an, die regelmäßig vorbeischauen, weil sie sich dafür interessieren, was es Neues gibt und seit dem letzten Besuch so passiert ist. Das liegt vermutlich daran, dass mit dem Folgen eines Blogs mehr Arbeit verbunden ist. Denn hier reicht es nicht aus, nur ein Bild zu liken, sondern man muss vielleicht auch hin und wieder einmal etwas Zeit inventieren und lesen 😉

Dies ist vielleicht auch der Grund, warum ich persönlich es als weniger schlimm empfinde, auf einem Blog etwas privater zu werden, als in einem Social Media Netzwerk. Mir gefällt es und es macht mir Spaß, mich mit Menschen auszutauschen, die in einer ähnlichen Lebenssituation stecken wie man selbst, die Anregungen und Tipps suchen oder vielleicht sogar haben. Und es freut mich auch, wenn ich zu einem Beitrag, den ich verfasst habe, und der auch mit Zeit und einigen Überlegungen verbunden war, ein Feedback erhalte und auf diese Weise ein Austausch stattfindet.

 

Ich hoffe, Ihr seht es mir nach, wenn ich an dieser Stelle einmal deutlich zum Ausdruck bringe, dass ich niemals eine dieser Bloggerinnen werde, die – Gott bewahre, sollte es jemals soweit kommen – bis ins kleinste Detail unter Angabe des eigenen Körpergewichts und täglichen Updates bis hin zum Zeitpunkt und dem Ablauf der Geburt von einer Schwangerschaft berichten wird. Bitte verzeiht! Ich werde Euch aber super gerne über Alles, was mich beschäftigt und interessiert, was ich erlebe und erlebt habe und sonst so in meinem Leben Spannendes und Aufregendes passiert, informieren und informiert halten. Aber eben auch nur bis zu einem bestimmten Punkt. Ein bisschen Privatsphäre hat eben noch niemandem geschadet – auch im realen Leben nicht ❤

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